Ich schaue Menschen ins Gesicht, nicht aufs Display.

Matthias Probst

Das Wichtigste passiert, bevor ich die Kamera hebe. Ich brauche zehn Minuten mit einem Menschen — nicht um ihn zu inszenieren, sondern damit er aufhört, sich beobachtet zu fühlen. Wer sich wohlfühlt, wird gut. Das ist keine Technik, das ist der ganze Beruf.

Ich schaue Menschen ins Gesicht, nicht aufs Display. Wenn das Licht stimmt, sehe ich das an ihm und nicht an der Kamera.

Ein Portrait muss nicht schön sein. Bei Politikern sage ich das offen — schön ist die falsche Kategorie. Es muss im Kopf bleiben.

Reportage

Eine Reportage erzählt eine Geschichte. Ich begleite einen Tag und fange die Emotionen ein, die dazugehören. Und ich höre auf, wenn es anfängt, sich zu wiederholen — nicht, wenn die Zeit um ist.

Portrait

Beim Portrait denke ich zuerst an den Charakter. Manchmal an Schönheit, oft nicht. Bei Politikern sage ich es offen: Sie müssen nicht schön aussehen. Sie müssen im Kopf bleiben — ausdrucksstark, und anders als alle anderen.

Event

Ein Event hat Momente, die nur einmal passieren. Kein zweiter Versuch, keine Wiederholung. Wer sie einfangen will, muss wissen, dass sie kommen, bevor sie da sind.

Und dann gibt es das Andere: nicht die Party, sondern der Mann, der den ganzen Tag gefrustet an der Ecke saß und abends, als die Band spielte, richtig aufblühte. Solche Bilder findet man nur, wenn man den ganzen Abend hinschaut.

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